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           20. November 2002
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Vielen Dank für Ihr Interesse an der Dokumentation unserer

 Fachtagung

 
„Gender Mainstreaming in der Praxis leben“

am 20.November 2002 in Magdeburg

  

Der Einladung des Gender-Institutes und des Ministeriums für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt zu unserer Fachtagung sind fast 170 Gäste gefolgt, um sich einen ganzen Tag lang über Gender Mainstreaming in Sachsen-Anhalt, Heute und in Zukunft, zu informieren und Erfahrungen auszutauschen.

In den 6 Workshops arbeiteten ExpertInnen, Führungskräfte und Interessierte aus verschiedensten Organisationen und Institutionen an perspektivischen Lösungswegen.

Diese Dokumentation soll denen, die nicht dabei sein konnten, einen Eindruck vom intensiven Erfahrungs-
und Gedankenaustausch ermöglichen.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer soll es eine Zusammenfassung mit der Möglichkeit sein, besonders Interessierendes nochmals nachzulesen.

Hier finden Sie Inhalte der jeweiligen Tagesordnungspunkte und eine Zusammenfassung aus den Workshops.

-          Empfang und Einstimmung aufs Thema
Nach dem „Einschreiberitual“ galt es aktiv zu werden. Unsere Gäste wurden gebeten, Ihre Erfahrungen mit Gender Mainstreaming auf einer Skala zu bewerten. 
Hier die bildliche Darstellung des Ergebnisses

 

-          Begrüßung       
Ute Wanzek, Geschäftsführerin G/I/S/A, eröffnete die Fachtagung mit
folgenden Worten .

-          Gender Mainstreaming in Sachsen-Anhalt – Projekte, Prozesse, Perspektiven“ 

     ...war das Thema der Rede von Gerry Kley, Minister für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt

-          Gender Mainstreaming – Potenzial erhöhen;
Ute Wanzek, Geschäftsführerin G/I/S/A: zog öffentlich
Bilanz über die Arbeit von G/I/S/A 

-          Gender Report 2002;
Thomas Claus, Geschäftsführer G/I/S/A stellte die neuesten Daten und Erkenntnisse zur Lebenssituation von Männer und Frauen in Sachsen-Anhalt vor.
 

-          Standpunkte und Erfahrungen
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten regen Gebrauch davon, im Forum der Fachtagung ihre Erfahrungen mit der Umsetzung von Gender
Mainstreaming darzustellen und Meinungen und Standpunkte zu den von Vorträgen und zur aktuellen Politik gleichstellungspolitischer Aspekte
zu bekunden. (
Bildergalerie
So erläuterten der Gender-Beauftragte des Regierungspräsidiums Magdeburg, Herr Dr. Rohde, Herr Baumgarten vom Sportreferat des Ministeriums für Gesundheit und Soziales, der Landrat des Kreises Anhalt-Zerbst, Herr Hövelmann und Frau Scheer von der Gender Mainstreaming Projektgruppe der Polizeidirektion Dessau ihre Erfahrung bezüglich der Herangehensweise an Gender Mainstreaming-Prozesse und -Projekte. (
hier)

 

Im zweiten Teil der Veranstaltung stand der intensive Erfahrungsaustausch in den Workshops im Vordergrund.

 -          Themenangebote:

1.    Gender-Kompetenz entwickeln- wie geht das?
Im Workshop von Dr. Anne Rösgen  arbeiteten 28 Interessierte an Kompetenzentwicklungsprozessen und Qualitätsanforderungen in 
Organisationen. Und natürlich wurde intensiv über das WIE diskutiert.

Einführung , Input, Auf den Punkt gebracht

2.    Daten und Fakten – Methodische Basis für Gender Mainstreaming
Thomas Claus diskutierte mit 13 Interessierten über notwendige Informationen, deren Umfang, Datenquellen und wie das empirische Material aufbereitet werden kann und sollte. 

Einführung, Auf den Punkt gebracht

3.    Gender Mainstreaming und Organisationsentwicklung in der öffentlichen Verwaltung.
Gemeinsam mit 30 Interessierten  diskutierten Ute Wanzek und Dr. Kristin Körner  u. a. über Rahmenbedingungen und Qualitätsstandards für die erfolgreiche Umsetzung von Gender Mainstreaming als als Qualitätsmerkmal von Organisationsprozessen und Gender Mainstreaming– Anwendungsprojekten.

Einführung, Input, Auf den Punkt gebracht

4.    Gehen oder bleiben- Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Wanderungsverhalten von Frauen und Männern.
Prof. Dr. Christiane Dienel diskutierte mit 11 Interessierten über die Geschichte der Migration von Frauen und über die aktuellen Daten des Gender Reports zu diesem Thema. Außerdem wurde nach Möglichkeiten der „Gegensteuerung“ gesucht.

Einführung, Auf den Punkt gebracht

5.    Was bringt Gender Mainstreaming in den Strukturfonds der EU?
Dr. Verena Jauk aus Wien diskutierte mit 9 Interessierten u. a. über die Sinnhaftigkeit von "Straf"maßnahmen bei der Nichterreichung von Chancengleichheitszielen und über Notwendigkeit der Stärkung des Gender-Wissen bei AkteurInnen und Institutionen.

Einführung, Input, Auf den Punkt gebracht

6.    Schule als geschlechtsneutrale Zone?
Bettina Willhelm und Marlies Hase stellten vor 15 Interessierten Ihre jeweiligen Projekte vor und diskutierten mit den Teilnehmenden darüber, wie Jungen und Mädchen bei der Gemeinschaftserziehung gleiche Chancen erhalten.

Einführung, Input, Auf den Punkt gebracht

Ihre Anregungen, Meinungen und Kritiken sind uns sehr wichtig! Bitte nehmen Sie mit uns Kontakt auf per Post, e-mail 
oder durch einen Eintrag in unser Gästebuch.
 
Kontakte + Gästebuch

 


Begrüßung zur Fachtagung durch  Ute Wanzek, Geschäftsführerin des G/I/S/A, Gender-Institut Sachsen-Anhalt

„Gender Mainstreaming in der Praxis leben"

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

im Namen Gender-Institutes und des Ministeriums für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt begrüße ich Sie herzlich 
zur Fachtagung „Gender Mainstreaming in der Praxis leben".

Besonders begrüße ich den Herr Minister Gerry Kley. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, mich bei Ihnen dafür zu bedanken, dass diese Tagung möglich wurde und dass wir die Möglichkeit haben, dieses neue Kongreßzentrum des Ministeriums sozusagen einweihen zu dürfen. Ich denke, gemeinsam mit den Kollegen und Kolleginnen Ihres Hauses, haben wir eine optimale Arbeitsatmosphäre gestalten können.

Ich begrüße all unsere Referentinnen und Referenten, die durch ihre Beiträge und ihre Arbeit während der Tagung und in den Work-
shops für eine fachlich fundierte Arbeit stehen.

Stellvertretend für alle sage ich Frau Dr. Verena Jauk, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen Österreich, ein herzliches Willkommen. Vielen Dank, dass Sie den weiten Weg aus Wien nach Magdeburg auf sich genommen haben, um im Workshop zu Gender Mainstreaming in den Strukturfonds der EU ihre Erfahrungen zu vermitteln.

Leider nicht begrüßen kann ich "NN" von der Europäischen Kommission. Langfristige Absprachen und Bemühungen unsererseits und auch von Kolleginnen der Kommission haben letztlich leider doch nicht zum Erfolg geführt, da die Begehrlichkeiten nach Referentinnen und Referenten gerade zum Jahresende groß sind. Wir haben jedoch mit der Kommission vereinbart, im nächsten Jahr unsere internationale Konferenz mit Unterstützung der EU-Kommission durchzuführen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit unserer Fachtagung verbinden wir zwei wesentliche Zielstellungen. Zum einen wollen wir gemeinsam Bilanz darüber ziehen, wo Sachsen-Anhalt nach nunmehr über zwei Jahren Gender Mainstreaming steht. Andererseits wollen wir gemeinsam Erfahrungen austauschen und Impulse für den weiteren Umsetzungsprozess geben.

Sie alle sind herzlich eingeladen, die Erreichung dieser Zielstellungen durch Ihre aktive Teilnahme in allen Phasen unserer Konferenz mit zu befördern, um das Motto der Fachtagung „Gender Mainstreaming in der Praxis leben Wirklichkeit werden zu lassen.

Damit uns dies gut gelingen kann, werden uns ModeratorInnen durch den Tag begleiten. Zunächst stelle ich Ihnen Frau Dr. Anne Rösgen vor.

Frau Dr. Rösgen ist eine ausgewiesene Expertin für die Prozesse, die sich mit Geschlechterfragen und ihrer Umsetzung in Prozessgestaltungen verbinden. Dabei arbeitet sie unter anderem zu Fragen Kompetenzentwicklung. In diesen Kontexten wirkt sie als freie Mitarbeiterin für das G/I/S/A.

Herr Dr. Ronald Schulz ist ein weiterer Experte, der in freier Mitarbeit für das G/I/S/A, hauptsächlich in Gender Mainstreaming Bildungsveranstaltungen und in der Beratung und Begleitung von Gender Mainstreaming Umsetzung in Organisationen unsere Arbeit bereichert.

Wir wünschen Ihnen beiden ein gutes Gelingen ihrer Moderationsaufgabe und übergeben hiermit nun die Tagung an Sie.

Die ModeratorInnen Dr. Anne Rösgen (Mitte) und Dr. Ronald Schulz (links) mit Ute Wanzek

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               Gerry Kley, Minister für Gesundheit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt

„Gender Mainstreaming in Sachsen-Anhalt –
Projekte, Prozesse, Perspektiven"

 

                  

hier als PDF-Datei

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch ich begrüße Sie sehr herzlich in unserem erst vor wenigen Wochen eingeweihten Konferenzzentrum. Die heutige Fachtagung ist also die Premierenfeier für diese Räumlichkeiten - aber schon lange nicht mehr die Premiere für Gender Mainstreaming in Sachsen-Anhalt.

Das Tagungsprogramm kündigt eine Bestandsaufnahme an:

2 Jahre Gender Mainstreaming in Sachsen-Anhalt – und da ich der für die Koordinierung dieses Umsetzungsprozesses zuständige Minister bin, erwarten Sie zu Recht das erste Wort von mir.

Gender-Mainstreaming ist ein struktureller Ansatz, eine systematische Methode politischen Entscheidungshandelns. Also sollte auch seine Bestandsaufnahme systematisch sein. Ich habe daher Anleihe bei der schwedischen 3-R-Methode genommen und werde mich in meinem Beitrag der noch nicht – zertifizierten – 3-P-Methode bedienen.

3-R – die Gender Mainstreaming-Erfahrenen unter Ihnen werden es wissen – steht für Repräsentanz, Ressourcen und Realität und
beschreibt eine Methode der gender-sensiblen Analyse insbesondere von kommunalen Vorhaben.

3-P steht für Projekte, Prozesse und Perspektiven. Ich denke, mit diesen Kategorien lässt sich am besten beschreiben wo wir gegenwärtig bei der Einführung von Gender Mainstreaming stehen.

Das erste P – Projekte - repräsentiert die Haben-Seite; beschreibt, worauf wir uns bei der weiteren Arbeit stützen können,

das zweite P – Prozesse – steht für Standort, wo wir uns gegenwärtig im Umsetzungsprozess befinden,

das dritte P – Perspektiven – soll Handlungsbedarfe und nächste Handlungsschritte aufzeigen.

Ich werde mich bei dieser Bestandsaufnahme auf die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte konzentrieren.

Projekte und Rahmenbedingungen

Worauf können wir aufbauen?

Sachsen-Anhalt hat – meines Wissens nach immer noch als einziges Bundesland - ein von der Landesregierung beschlossenes Umsetzungskonzept für Gender Mainstreaming. Dieses Konzept ist modular gestaltet und kann und soll kontinuierlich weiterentwickelt.

Dieser Weiterentwicklungsprozess hat u. a. zu der Erkenntnis geführt, dass Verwaltung und Politik für die Einführung von Gender Mainstreaming externe Unterstützung brauchen – insbesondere für 2 Dinge: zum einen für den Aufbau von Gender-Kompetenz bei den fachlich Verantwortlichen und zum anderen für weiterführende Erkenntnisse über unterschiedliche Lebensrealitäten und strukturelle
Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern,um die teilweise noch sehr großen Löcher in den Statistiken schrittweise, aber konsequent zu schließen.

Daher gibt es seit anderthalb Jahren in Sachsen-Anhalt das bundesweit erste Gender-Institut: G/I/S/A. Der Aufbau von G/I/S/A wird für 3 Jahre als Modellprojekt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes gefördert.

Das Gender-Institut hat zu der heutigen Fachtagung eingeladen und wird zum ersten Mal in einem solchen landesweiten Rahmen Ergebnisse der bisherigen Arbeit präsentieren. Dem will ich nicht vorweg greifen, sondern die Spannung auf den weiteren Vormittag mit Ihnen teilen.

Es gibt aber noch einen Punkt auf der „Haben"-Seite:

In den vergangenen 2 Jahren sind – vor allem im Rahmen von Projekten – eine Reihe fachlicher Beispiele zur Anwendung der Gender Mainstreaming-Methode entstanden.

Da haben wir z. B. das Modell-Projekt des Kultusministeriums: „Gender Mainstreaming im Rahmen der budgetierten Mittelverteilung an Fachhochschulen. Das Institut für Hochschulforschung entwickelt hier seit ca. 1 Jahr gemeinsam mit Hochschulleitungen und
Gleichstellungsbeauftragten Ideen und Modelle, wie mit Hilfe der neuen Steuerungselemente Chancengleichheit von Frauen und Männern in Hochschule und Wissenschaft wirksamer umgesetzt werden kann.

Die Ergebnisse des Projekts sollen dann u. a. in die zwischen Kultusministerium und Hochschulen auszuhandelnden Zielvereinbarungen einfließen.

Wir haben weiter die Projekte und Vorhaben im Rahmen der Strukturfondsförderung. Gerade im ESF-Bereich fährt das Wirtschafts-
ministerium eine konsequente Doppelstrategie: Es sind nicht nur eine Reihe spezifisch gleichstellungsfördernder Projekte initiiert worden, sondern Chancengleichheitsaspekte finden in allen Aktionsbereichen Berücksichtigung, wie z. B. bei Projektvorhaben zur "Job-Rotation" oder bei Qualifizierungsmaßnahmen für KMU.

Die meisten Fachbeispiele wurden im Rahmen des schon erwähnten Pilotprojektes im Sozialministerium erarbeitet. Da diese im Laufe des heutigen Tages in unterschiedlicher Form immer wieder auftauchen werden und sie auch ausführlich in der Buchveröffentlichung dokumentiert sind, nenne ich nur einige Themenfelder:

So gibt es ein fachliches Beispiel aus dem Bereich Arbeitsschutz. Auch die Sportförderung und Rehabilitierungsmaßnahmen wurden einer Gender-Analyse unterzogen. In einem weiteren Projekt zur Qualitätsentwicklung in der außerschulischen Jugendbildungsarbeit war Gender Mainstreaming ein durchgängiges Leitprinzip.

Zusammengefasst für die Haben-Seite können wir also festhalten, dass wir uns schon ein gutes Stück von der Startlinie fortbewegt haben. Wo stehen wir denn aber nun im Gesamtprozess?

– Damit bin ich beim zweiten P – Prozesse.

Als ich mich gestern vorbereitet habe, sah ich mir auch die Liste der Teilnehmenden an – wie ich finde – ein interessanter Indikator für die Standortbestimmung. Zunächst einmal sehr erfreulich ist die große Resonanz auf die Einladung des Gender-Instituts: Ca. 150 Anmeldungen bestätigen das Interesse an diesem Thema. Ca. 80 % der Interessierten sind Frauen, 20 % Männer – im Vergleich zur letzten großen Gender Mainstreaming-Tagung hat sich somit der Männer-Anteil verdoppelt. Zum Kreis der Führungskräfte – also der Hauptverantwortlichen im Gender Mainstreaming-Prozess – gehören ca. ein Viertel der Anwesenden. Die Zahl der gleichstellungspolitischen Akteurinnen und der fachlichen Verantwortlichen hält sich in etwa die Waage.

Das ist eine positive Entwicklung, die zeigt, dass wir auf dem Weg sind. Möglicherweise ist auch schon ein Viertel geschafft. Bezogen auf das Ziel, Geschlechtergerechtigkeit zu einem grundsätzlichen Kriterium politischer Entscheidungen auszugestalten und Kompetenzen, Interessen, Lebensrealitäten von Frauen und Männern gleichwertig in Entscheidungsprozesse einzubeziehen, sind wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt erst auf einer Vorstufe angelangt.

Bei allem Erreichten und einem zunehmenden Engagement für die Umsetzung von Gender Mainstreaming stellt sich natürlich auch die Frage nach den Hürden und Barrieren, oder positiv gesagt nach den Herausforderungen:

Mancherorts herrscht noch immer die Auffassung, bei Gender Mainstreaming würde es sich um ein schnell wirkendes Medikament ohne Nebenwirkungen handeln. Weit gefehlt, und um in dieser Metapher zu bleiben, es handelt sich um eine grundsätzliche Umstellung der ‚Lebensweise‘, verbunden mit neuen Einsichten und Einstellungen und Veränderungen, die manchmal anfangs mit Anstrengung verbunden sein können. Das heißt, die erfolgreiche Einführung einer geschlechtersensiblen Arbeitsweise ist notwendigerweise mit Veränderungen in der fachlichen Herangehensweise, mit Veränderung in den Ablaufstrukturen und mit neuen Qualifikationsanforderungen verbunden. Dabei gibt es kein Patentrezept oder eine Universal-Checkliste, nach der man verfahren kann.
Da Sachsen-Anhalt zu den führenden Ländern bei der Einführung von Gender-Mainstreaming gehört, haben wir uns auf einen Prozess eingelassen, bei dem wir viele Schritte zum ersten Mal gehen und bei dem auch Stolpern und Korrekturen erlaubt sein müssen.

Gender Mainstreaming-Projekte schaffen in diesem Verständnis wichtige Voraussetzungen: sie bringen Fachbeispiele und geben damit Orientierung für die eigene Facharbeit, sie fördern durch innovative und tragfähige Lösungsansätze die Akzeptanz für Gender Mainstreaming, sie überzeugen davon, dass Gender-Kompetenz nicht mal eben in 1 - 2 Tagen Fortbildung erworben werden kann.

Gender Mainstreaming-Projekte sind damit eine wichtige Basis, sie sind aber noch nicht Gender Mainstreaming selbst.

Der Prozess ist erst geglückt, wenn es gelingt Erkenntnisse, Verfahrensweisen, Lösungswege aus den Projekten in die Verwaltungs- und Entscheidungspraxis zu transferieren und dauerhaft zu verankern.

Das ist die Herausforderung, vor der wir in Sachsen-Anhalt jetzt stehen.

Bisher sind wir bei den seit 1998 in Kabinettsvorlagen obligaten „Gleichstellungspolitischen Bericht" bei der Regelpraxis angelangt, dass unterschiedliche Betroffenheiten von Frauen und Männern in dem jeweiligen Fachbereich dargestellt werden. In vielen Fällen werden Verpflichtungen eingegangen, die Auswirkungen auf Frauen und Männer, die sich aus einem Gesetz oder einem Programm ergeben werden, zu evaluieren.

In kaum einem Fall werden bis jetzt strukturelle Hemmnisse für Chancengleichheit von Frauen und Männern identifiziert und Schluss- folgerungen aus erkannten Ungleichgewichten abgeleitet.

Damit bin ich bei einer zweiten Herausforderung im gegenwärtigen Prozess: Eine zielgerichtete Chancengleichheitspolitik braucht konkrete und operationalisierbare Ziele auf der Grundlage empirisch gestützter Datenanalysen. Hier haben wir es mit vielschichtigen Problemen zu tun. In vielen Feldern fehlen gender-sensible Daten zur Analyse der Ausgangssituation. Wie soll hier mit der Zielentwicklung verfahren werden? Fachebene und gleichstellungspolitische Akteurinnen – wer hat welche Kompetenzen im Prozess der Zielentwicklung? Wie lässt sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen beiden Ebenen gestalten?

Und auch – unter dem Aspekt der dramatischen Finanzsituation unseres Landes – wie ist bei Zielkonflikten zu verfahren?

Für die Lösung dieser Fragen brauchen wir ein ressortübergreifendendes Steuerungsgremium, in dem sowohl fachpolitische als auch gleichstellungspolitische Interessen vertreten sind.

Die dritte große Herausforderung ist es, das Top-Down-Prinzip in der täglichen Praxis mit Leben zu erfüllen. Auf der Beschlussebene gibt es Konsens darüber, dass Gender Mainstreaming eine Führungsaufgabe und eine fachpolitische Aufgabe ist. Der bisherige Umsetzungsprozess bestätigt dieses sehr deutlich: In Bereichen, in denen Führungskräfte Aktivitäten zeigten, ihr Entscheidungsverhalten veränderten und vor allen Dingen begannen, gleichstellungspolitisches Engagement zu honorieren, waren und sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in viel stärkerem Maße bereit, sich auf Gender Mainstreaming einzulassen. Dort, wo das nicht der Fall war, gibt es auch kaum Veränderungen.

In der Praxis ist es vielerorts immer noch so, dass Führungskräfte die Verantwortung für Gender Mainstreaming delegieren – und zwar einschließlich der Steuerungs- und Kontrollfunktion.

Hier gilt es dringend anzusetzen.

Damit bin ich beim letzten P – Perspektiven!

Wie wird es weiter gehen mit Gender Mainstreaming in Sachsen-Anhalt, wie kann es uns gelingen, „Gender Mainstreaming in der Praxis zu leben"? Wo sind die Handlungsbedarfe, was werden die nächsten Handlungsschritte sein?

Die Drehscheibe für die Steuerung des weiteren Umsetzungsprozesses wird die Bildung einer Interministeriellen Arbeitsgruppe sein. Den entsprechenden Beschluss hat die Landesregierung im September gefasst.

Um der Umsetzung von Gender Mainstreaming als höchste Führungsaufgabe ein stärkeres Gewicht zu verleihen, hat die Landesre-
gierung auch entschieden, diese IMAG direkt auf Abteilungsleitungsebene anzusiedeln.

Ich gehe davon aus, dass die Interministerielle Steuerungsgruppe noch in diesem Jahr ihre Arbeit aufnimmt.
(Anmerkung der Redaktion: Die erste Sitzung dieser IMAG findet am 05. Februar 2003 statt.)

Auf der Agenda der IMAG sollen laut Beschluss der Landesregierung zunächst die folgenden Themen stehen:

Sie soll Gender Mainstreaming Anwendungsprojekte umsetzen und auswerten - mit dem Ziel, ihre Ergebnisse in die Verwaltungspraxis zu integrieren.

Sie soll ein Gender-Controlling für die Landesverwaltung entwickeln,

Qualitätsstandards für Bildungsmaßnahmen zum Gender Mainstreaming definieren sowie

ein Anforderungsprofil für die Erhebung und Darstellung geschlechterdifferenzierter Daten entwerfen.

Angesichts der vorgenommenen Standortbestimmung haben die beiden ersten Aufgaben eine besondere Priorität.

Hinsichtlich der Auswahl von Themenfeldern für Anwendungsprojekte haben eine Reihe von Ministerien bereits intensive Vorarbeiten geleistet.

Es gibt die Prämisse, Vorhaben auszuwählen, die ohnehin umzusetzen sind und diese unter Gender Mainstreaming-Aspekten zu gestalten.

Im Schulbereich z. B. könnten die Rahmenrichtlinien überarbeitet und auf die inhaltliche Gestaltung von Schulbüchern Einfluss genom-
men werden.

In meinem Ressort haben wir zunächst 2 Handlungsfelder auf die GM-Tagesordnung gesetzt: zum einen die weitere Umsetzung von Gender Mainstreaming im Rahmen des budgetierten Leistungsvertrags mit dem Landessportbund und zum anderen die weitere Verbesserung des Mutterschutzes an Arbeitsplätzen mit Gefahrstoffbelastung.

Die IMAG kann dabei die Fachministerien bei der Konzipierung ihrer Anwendungsprojekte unterstützen. Darüber hinaus sollen gemeinsame Qualitätsstandards für die Umsetzung, Fortbildung der Projektbeteiligten und die Auswertung der Projekte entwickelt werden. In diesem Prozess wird es natürlich eine enge Kooperation mit dem Gender-Institut geben.

Und als Ergebnis dieses gesamten Prozesses wünsche ich mir dann, dass wir von 3 E’s sprechen können:

Erfolge – für Akteurinnen und Akteure

Equality - ein großes Stück vorangebracht

Effektivität – in der Verwaltung deutlich gesteigert.

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Bilanz über die Arbeit von G/I/S/A

Ute Wanzek, Geschäftsführerin des G/I/S/A, Gender-Institut Sachsen-Anhalt

 

Gender Mainstreaming – Potenzial erhöhen

hier als PDF-Datei

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Anlässlich unserer Fachtagung ist es nun auch Zeit für das G/I/S/A, über eine Arbeit von achtzehn Monaten erstmals öffentlich Bilanz zu
 ziehen.

Diese Zeit war und ist wirklich aufregend. Als Ende 2000 die Idee geboren wurde, eine Einrichtung zu initiieren, die Gender
 Mainstreaming-Prozesse in Sachsen-Anhalt durch Forschungs-, Beratungs- und Bildungsleistungen unterstützt, war noch nicht
abzusehen, welchen Umfang und welche Qualitätsansprüche damit verbunden sein wer-
den. Wir haben das G/I/S/A als GbR gegründet und gemeinsam mit der damaligen Leitstelle für Frauenpolitik einen anspruchvollen
Modellversuch konzipiert, der im Ergebnis aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt bis Februar
2004 gefördert wird.

Seit März letzten Jahres gestalten wir nun dieses Modell aus, setzen die darin enthaltenen Zielstellungen und Aufgaben um und passen
 unsere fachliche Arbeit den beständig wachsenden und sich veränderten Bedingungen und Bedarfen an.

Bundesweit wie auch in Europa haben wir mit dem sachsen-anhaltischen Institut Aufmerksamkeit und großes Interesse hervorgerufen.
Insbesondere hinsichtlich unserer Zielstellung, des Gesamtkonzeptes und der daraus erwachsenen Struktur mit dem integrierten
Arbeitsansatz der Gender Mainstreaming-Prozessbegleitung durch Forschung, Bildung, Beratung, Projektarbeit und internationalen
Beziehung. Das G/I/S/A war das erste Gender-Institut seiner Art in Deutschland, aber vielfache Nachfragen und Aktivitäten aus anderen
Bundesländern zeigen, es wird nicht das einzige bleiben.

Doch was bedeutet dies für G/I/S/A?

Einerseits hatte das Land Sachsen-Anhalt mit seinen Beschlüssen die entscheidenden Grundlagen zur Umsetzung von Gender
Mainstreaming gelegt und mit einer umfassenden Bildungs- und Öffentlichkeitsoffensive sowie mit dem Modellprojekt im
Sozial-
ministerium begonnen, das Landeskonzept umzusetzen. Andererseits zeigte sich jedoch sehr schnell, dass es noch immer einen 
großen Bedarf an zunächst grundlegenden Informationen zum Gender Mainstreaming-Konzept gibt.

Aber wir begegnen auch vielen Unsicherheiten, häufig Distanz und auch Ängsten zu dieser neuen Strategie.

Insofern hat es das Gender-Institut immer wieder mit Skepsis, Ungeduld und auch mit der grundlegenden Infragestellung ob seiner
Sinnhaftigkeit zu tun, so dass wir uns manchmal in einem „Erklärungsnotstand" befinden. 
Mit dieser Fachtagung werden Sie Einblicke in unsere Arbeit erhalten und Ergebnisse kennen lernen und damit vielleicht auch Antwor-
ten auf Fragen zu unserem Institut bekommen.

Gender Mainstreaming als integriertes, strukturelles, organisationsbezogenes Konzept, verlangt in seiner Umsetzung weitreichende
 fundierte Kompetenzen, Methoden, Instrumentarien und exakte geschlechterspezifische Daten und deren Wertung.

Es verlangt vor allem zunächst die sichtbare Entscheidung von obersten Führungsebenen, dieses Konzept in das normale Handeln
einfließen zu lassen.

Das Institut entwickelt einerseits Konzepte und widmet sich schwerpunktmäßig der Herausbildung von Qualitätsstandards im Gender
Mainstreaming-Prozess und erbringt andererseits Dienstleistungen für Landes- und Kommunalverwaltungen, wichtige gesellschaftliche
Organisationen (z.B. Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften, Kirchen), aber auch für Wirtschaftsunternehmen und unterstützt die
Landesregierung hinsichtlich der Weiterentwicklung und Umsetzung von Gender Mainstreaming.

Eine der Kernaufgaben des G/I/S/A besteht darin, mit dem jährlichen Gender-Report einen wissenschaftlich fundierten Bericht über die
Lebenslagen von Frauen und Männern in Sachsen-Anhalt vorzulegen. Über diesen Teil unserer Arbeit werden Sie heute noch mehr
erfahren.

Die Gender-Bildung, zweiter zentraler Aufgabenschwerpunkt, der von G/I/S/A konzipiert und angeboten wird, hat zum Ziel, das Gender
Mainstreaming–Potenzial zu erhöhen. Mit dieser Zielbestimmung wird ausgedrückt, dass es sich nicht um
allgemeine Fortbildungen zu
Geschlechterfragen handelt, sondern dass es um Gender-Kompetenz 
g
eht, die zur Umsetzung von Gender Mainstreaming als Bestand-
teil von Prozessen der Organisationsentwicklung unabdingbar benötigt wird.

Gender-Bildung meint einen umfassenden Ansatz, der neben Sensibilisierung, Wissensvermittlung und Handlungskompetenz auf der
Personenebene und der Organisationsebene auch Beratung und Begleitung meint.

In all diesen Feldern liegen Arbeitsbereiche des G/I/S/A und genau das ist es, was Organisationen bei uns zunehmend nachfragen.

Noch viel zu oft müssen wir resümieren, dass sehr häufig in Organisationen, in Verwaltungen, davon ausgegangen wird, eine
Informationsveranstaltung zum Gender Mainstreaming oder eine 1-Tages-Bildungsveranstaltung reiche schon oder, dass es doch „nur"
entsprechender Leitfäden und Checklisten bedürfe, um ausreichend Grundlagen zur Umsetzung von Gender Mainstreaming zu haben.
 Es ist uns nicht immer gelungen, mit den nachfragenden VeranstalterInnen genau den Bedarf zu ermitteln, die Kontexte der
Organi-
sationen zu ergründen, in denen kompetenzbildende Veranstaltungen stattfinden sollen. So kommt es dann doch vor, dass
Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Erwartungen nicht erfüllt sehen, insbesondere dann, wenn keine weiteren Maßnahmen folgen, als
 diese grundlegenden Auftaktveranstaltungen, die an einem Tag alles leisten sollen – von der Sensibilisierung bis zur Übung an Beispielen.

Es ist auch immer wieder notwendig geworden, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede und vor allem das Komplementäre von
spezifischer Gleichstellungspolitik (Frauenförderpolitik) und Gender Mainstreaming und die daraus resultierenden Möglichkeiten und
Chancen für nachhaltige Wirkungen in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit herauszuarbeiten.

Das Gender-Institut hat aus all diesen Gründen einen Schwerpunkt der Arbeit darauf gerichtet, konzeptionelle Grundlagen zur
Ausprägung von Gender-Kompetenz zu entwickeln, dazu gehören inhaltliche und methodische Gestaltung von Auftaktveranstaltungen,
Ausbildung von MultiplikatorInnen der Gender-Bildung -train-the-trainer- auf Modulbasis, spezifische inhaltliche und methodische Bau
-
steine für die Handlungsfelder Strukturfonds und Verwaltungsmodernisierung.

Gleichzeitig haben wir durch bisher 45 Informations- und Bildungsveranstaltungen bei 26 verschiedenen Organisationen und Projekten
(z.B. Ämter des Umweltministeriums, Regierungspräsidien Halle und Magdeburg, Polizeidirektion Dessau, Landkreise Anhalt-Zerbst,
Staatliche Schulämter, Burgenlandkreis, alle Dezernate der Landeshauptstadt Magdeburg, Gewerkschaften GEW, IGBCE,
Bundespresseamt, Projekte EQUAL) sowie in 12 Workshops, begonnen, die Grundlagen für eine umfassende Kompetenzentwicklung
zum Gender Mainstreaming zu legen.

Einen zweiten Schwerpunkt bildeten im Bereich Forschung konzeptionelle sowie organisatorisch vorbereitende Tätigkeiten für die
Erstellung des Gender-Reports. So sind insbesondere vorhandene sowie notwendige geschlechtsspezifische Informationsquellen
identifiziert und ausgewertet worden. Der „Gender-Report Sachsen-Anhalt", der erstmals in dieser Form neue Daten und Erkenntnisse
zur Lebenssituation von Frauen und Männern in Sachsen-Anhalt präsentiert, liegt nun vor.

Das G/I/S/A hat im Rahmen seiner Öffentlichkeits-, Vernetzungs- und Aufklärungsarbeit europa-, bundes- und landesweit 50 Vorträ-
ge gehalten und war an Podiumsdiskussionen und Präsentationen beteiligt (u.a. Gender und Research Conference der Europäischen
Kommission, Start Up Conference EU-Strategie Chancengleichheit, Gleichstellungsbeauftragte vieler Ebenen, Konsistorium der EKPS,
Bildungszentrum der Wirtschaft im Unterwesergebiet e.V., Diakonisches Werk, Hochschulen, Veranstaltungen in Baden-Württemberg,
Thüringen, Sachsen und des Bundes).

Über 20 Projekte verschiedenster Träger und Programme nahmen Beratungsleistungen in Anspruch, insbesondere solche, die mit 
Mitteln der EU-Strukturfonds gespeist werden (Programme EQUAL, LOCALE, URBAN 21, LIST, Pakte für Arbeit), aber auch solche
Projekte wie im Programm Lernende Regionen oder Leonardo da Vinci nutzten unsere Leistungsangebote.

Darüber hinaus beteiligte sich das G/I/S/A gemeinsam mit der Leitstelle für Frauenpolitik an der europaweit geführten Diskussion über
das Konzept eines Europäischen Gender Instituts.

Vielfachen Anfragen für Fachbeiträge für Broschüren (z.B. Broschüre der Bundeszentrale für politische Bildung, Broschüre des Landes
Sachsen-Anhalt zum Gender Mainstreaming) und Zeitschriften (z.B. Streitkultur, Sirene, Mädchenarbeit) sind wir gefolgt.

Dieser nur kurze Auszug aus unsere Bilanz zeigt, die Leistungen des kleinen Teams des G/I/S/A und seiner externen ExpertInnen und
Gender-BildnerInnen werden gebraucht und nachgefragt.

Eine Einrichtung wie unsere kann den Prozess der Umsetzung des Gender Mainstreaming wirkungsvoll unterstützen. In Zukunft geht es
deshalb darum, unsere Forschungs-, Beratungs- und Bildungsleistungen sowohl konzeptionell als auch umsetzungsseitig eng mit der
Expertise, dem Bedarf und den Prozessen in Organisationen in Politik und Gesellschaft zu verbinden.

Dabei ist klar und offensichtlich, dass auch wir noch auf dem Weg sind, auf dem Weg - ein Kompetenzzentrum zu werden.

Wir sind, wie Sie, auch immer wieder Lernende, die auf das Wissen und die Erfahrungen vieler Expertinnen und Experten in vielfältigen
Fachbereichen und Strukturen als auch auf das von speziellen Fachleuten in Gender- und Gender Mainstreaming-Fragen angewiesen
sind.

Gender Mainstreaming Potenzial erhöhen – eine langwierige, aber lohnende Zielstellung zur Gestaltung einer Gesellschaft, geprägt
durch ein demokratisches Verhältnis der Menschen, die sie gemeinsam gestalten – Frauen und Männer.

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Thomas Claus, Geschäftsführer GI/S/A stellte den Gender Report 2002 vor

 

Gender-Report Sachsen-Anhalt 2002 

die Vortragsfolien können Sie hier im PDF-Format nachlesen

 

Thomas Claus während seines Vortrages

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Standpunkte und Erfahrungen

 

              

Herr Baumgarten                                     Frau Scheer

Ministerium für Gesundheit und Soziales          Polizeidirektion Dessau

  Herr Dr. Rohde                                                               Herr Hövelmann

     Regierungspräsidium Magdeburg                                 Landrat  des Kreises Anhalt-Zerbst 

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Workshop 1: Gender Kompetenz entwickeln – wie geht das?

Dr. Anne Rösgen

Einführung

              

Nach einer ersten Phase der Umsetzung stellte die EU Kommission fest, dass die fehlende Gender Kompetenz, insbesondere bei den Führungskräften, eines der größten Hemmnisse für Gender Mainstreaming darstelle. Viele zogen daraus den Schluss, dass dann alle eben mal ein Gender Training mitmachen müssten, dann sei das Problem wohl gelöst. Inzwischen sind unzählige solcher Trainings durchgeführt worden – aber wurde dort Gender Kompetenz entwickelt? Es häufen sich die Beschwerden über Bildungsveranstaltungen, die diesem Anspruch NICHT gerecht wurden und enttäuschte oder ratlose TeilnehmerInnen zurückließen.

Was aber IST Gender Kompetenz? Bisweilen liest man, es gebe Fach- und Methodenkompetenz, soziale und persönliche Kompetenz und nun eben auch noch Gender Kompetenz. Dann wieder heißt es, es sei sehr wichtig, dass sich die Gender Kompetenz mit der Fachkompetenz verbinde – aber wie? An anderer Stelle wird behauptet, die Gender Kompetenz sei eine (neue) Schlüsselqualifikation. Sind denn Kompetenz und Qualifikation dasselbe?

Nun geht es aber nicht „nur" um die Fähigkeit mit den Geschlechterverhältnissen im beruflichen Alltag kompetent umzugehen, sondern „mainstreaming gender" wird verlangt, d.h. auch Prozesse gestalten und steuern zu können. Und damit nicht genug: es ist davon auszugehen, dass der Gender – Mainstreaming – Prozess in seinen verschiedenen Stadien auch immer wieder neue Kompetenzen erfordern wird, dass also Bildungsmaßnahmen immer wieder integraler Bestandteil des Prozesses sein sollten, wie Beratung (Gender Expertise).

Wir halten es für notwendig und eilig, sich gründlicher als bisher mit all diesen Fragen zu beschäftigen, denn wir werden

· schlechte Gender Bildungsmaßnahmen von guten erst dann
  unterscheiden können, wenn Qualitätsmaßstäbe gefunden sind

· nur dann, wenn wir wissen, was Gender Kompetenz genau ist,
  klären können, wie man sie entwickeln kann.

Das bedeutet, dass die Frage nach der Gender Kompetenz auch eine theoretische Herausforderung ist, dass die Klärung methodologischer Fragen unabdingbar ist und dazu sind noch wissenschaftliche Arbeiten nötig.

Was im Workshop passieren soll

Es soll Klarheit geschaffen werden über die Fragen: 1. Wie definieren wir Gender Kompetenz als Handlungskompetenz? 2. Welche Anforderungen stellt der Gender - Mainstreaming – Prozess an die Gender Kompetenz? Und – natürlich – 3. die Frage aus dem Titel des Workshops: Gender Kompetenz entwickeln – WIE geht das?

Keine Sorge ...

... auch wenn manches zunächst ein bisschen theoretisch klingt – es wird alles anhand von Beispielen und Erfahrungen dargestellt. Der Workshop richtet sich nicht nur an WissenschaftlerInnen und pädagogisches Fachpersonal, sondern an alle, die sich mit der Frage beschäftigen, was jemand wissen und können muss, um Gender kompetent zu sein und auf welchen Wegen Gender Kompetenz entwickelt werden kann.

Im übrigen handelt es sich um erste Ergebnisse aus den Arbeiten bei G/I/S/A, die nun dringend zur Diskussion gestellt werden sollen! Ich bin gespannt auf Ihre Meinung und freue mich auf Sie!

 

 

Input - Gender-Kompetenz

Ausführungen zur Gender - (Mainstreaming)-Kompetenz können Sie hier und die Vortragsfolien da im PDF-Format nachlesen

 

weitere Materialien zum Workshop:

 

Auf den Punkt gebracht

              

Resultat des Gedanken- und Erfahrungsaustausches im Workshops „Gender Kompetenz entwickeln – wie geht das?": Zwei Wege führen zur Entwicklung von Gender Kompetenz.

 

Zum einen wird über die notwendige Klärung von Begriffen wie beispielsweise Gender, (Gender -) Kompetenz und Qualifikation und Gender Mainstreaming der erste, theoretische Zugang bereitgestellt.

Der zweite, praxisorientierte Zugang zur Entwicklung von Gender Kompetenz wird mit der Entwicklung und Sichtbarmachung des Bedarfes an Gender Kompetenz überall eröffnet. Im Zuge der Modernisierung von Verwaltungen mit einer bürger- und dienstleistungsorientierten Organisationsstruktur ist die Implementierung von Gender Mainstreaming eine sich aus diesem Prozess (zwangsläufig) ergebende Anforderung.

Über die Vermittlung von Gender- Wissen / Kompetenz in Organisationen und die Integrierung in den Prozess der Organisationsentwicklung ist auch immer wieder die Aus- und Weiterbildung von Gender Trainern eine unverzichtbare Voraussetzung für die Qualitätssicherung von Gendertrainings und somit für den Erfolg von Gender Mainstreaming in den Organisationen. ‚Train the trainer’ ist deshalb eine zu jedem Zeitpunkt aktuelle Forderung an Wissensvermittelnde und deren Netzwerke und Strukturen für eine eigene Qualitätsentwicklung und –sicherung.

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Workshop 2: Daten und Fakten – Methodische Basis für Gender Mainstreaming

Thomas Claus, Geschäftsführer G/I/S/A

Einführung

               

Das mit dem Gender Mainstreaming-Ansatz geforderte geschlechterbezogene Herangehen auf sämtlichen Politikfeldern setzt an zentraler Stelle „die Erarbeitung von fachbezogenem Wissen über Differenzen und Gemeinsamkeiten in der Lebenssituation, den Erfahrungen, Interessen und Bedürfnissen von Frauen und Männern sowie die Erschließung von geschlechterbezogenen Forschungsergebnissen" voraus. Die Bereitstellung geschlechtsspezifisch differenzierter Informationen und Erkenntnisse sowie deren Verbreitung und Nutzung in sämtlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens avancieren damit zu einer Aufgabe, deren Lösung maßgeblich darüber entscheidet, ob und inwieweit es gelingt, das Gender Mainstreaming Konzept praxiswirksam umzusetzen.

Oftmals ist dabei nicht klar, welche Informationen benötigt werden, in welchem Umfang und wo sie existieren, mit welchen Methoden sie ermittelt werden können und wie sie zu analysieren und zu bewerten sind.

· Vor diesem Hintergrund sollen im Workshop u.a. die folgenden
   Themen diskutiert und gemeinsam bearbeitet werden:

· Welche Informationen werden benötigt, um erfolgreich den
  Gender Mainstreaming-Ansatz umzusetzen?

· Welche Informationsquellen können genutzt werden?

· Mit welchen Methoden lassen sich Daten und Fakten zum
  Geschlechterverhältnis ermitteln?

· Mit welchen praktischen Problemen ist zu rechnen?

· Wie kann und sollte das empirische Material aufbereitet werden?

· Was ist bei der Analyse und Bewertung von Daten und Fakten zu
  beachten?

 

Auf den Punkt gebracht

              

Die im Workshop 2 geführte Diskussion zur Gewinnung und Bereitstellung von geschlechtsspezifischen Daten führte zu der Feststellung, dass ein Mangel an Transparenz bei Datenquellen geschlechtsspezifischer Ausrichtung besteht.

Für eine Verbesserung dieses Umstandes ist die Beachtung verschiedener Ansätze von Bedeutung:

  •  Förderung der Vernetzung von Informationsquellen

  •  Gewährleistung von Vergleichbarkeit bei der Datenerfassung

  •  Gewährleistung einer bedarfsgerechten Datenerfassung und –bereitstellung

  •  methodologische und methodische Übung im Umgang mit Daten

Dabei ist die Umsetzung dieser notwendigen Handlungsanforderungen nur durch die Kooperation von Erfassungs- und Umsetzungsinstanzen möglich.

 

Außerdem waren sich alle Anwesenden einig, dass sich mit jeder Näherung an dieses Problem immer wieder neue, weiterführende Fragen eröffnen.

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Workshop 3: Gender Mainstreaming und Organisationsentwicklung
         in der öffentlichen Verwaltung

Ute Wanzek, Geschäftsführerin G/I/S/A

Dr. Kristin Körner, Leiterin des Grundsatzreferates der Abteilung
     Frauen und Familie im Ministerium für Gesundheit und Soziales des
Landes Sachsen-Anhalt

 

Einführung

                       

 

Mit einleitenden Vorträgen zu den Thema „GM und Organisationsentwicklung in der öffentlichen Verwaltung" und „GM als Qualitätsmerkmal moderner Verwaltungen" möchten die Referentinnen den TeilnehmerInnen einen fachlichen Input geben.

Darüber hinaus werden sie Beispiele der Umsetzung in Anwendungsprojekten und in Verwaltungen darstellen.

Dies versteht sich als Angebot an die TeilnehmerInnen des Workshops, gemeinsam Rahmenbedingungen und Qualitätsstandards für die Initiierung , Konzipierung, Führung, Umsetzung und Evaluierung von Gender Mainstreaming Anwendungsprojekten herauszuarbeiten.

Die Zielstellung besteht darin, Anforderungen an Anwendungsprojekte von der Gestaltung bis hin zum Transfer in das normale Verwaltungshandeln in gemeinsamer Diskussion aufzuzeigen, um sie als Ergebnis des Workshops und der Fachtagung in den jeweiligen Organisationen dann weiterentwickeln und umsetzen zu können.

Input

Die drei gegeben Inputs sind jeweils als Folienvorträge im PDF-Format für Sie bereitgestellt. 

1.   Gender Mainstreaming heißt Organisationsentwicklung, Umsetzungsanforderungen aus dem  Beispiel    Sachsen-Anhalts - Frau Dr. Kristin Körner 

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2.   Gender Mainstreaming - Qualitätsmerkmal moderner Verwaltungen - Frau Ute Wanzek

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3.   Integration von GM in Steuerungselemente der Sportförderung - Umsetzungsbeispiel - Frau Dr. Körner

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Auf den Punkt gebracht

              

Aus dem Workshop „Gender Mainstreaming und Organisationsentwicklung  in der öffentlichen Verwaltung": Impulse und perspektivische Lösungswege für den weiteren Prozess der Umsetzung von Gender Mainstreaming in Sachsen-Anhalt

Ausgangspunkt:
Verständnis von Gender Mainstreaming als Methode, um politische Planungs- und Entscheidungsprozesse im Interesse von mehr Chancengleichheit von Frauen/Männern zu verändern und damit auch GM als Teil umfassender Transformations- und Reformprozesse in der öffentlichen Verwaltung zu begreifen.

In Anlehnung an eine Metapher der GM-Expertin Dr. Barbara Stiegler: GM heißt Zopf statt Schleife:

„Vergleicht man Entscheidungsprozesse in Organisationen nach dem Flechten eines Zopfes, waren die bisherigen Stränge Sachgerechtigkeit, Machbarkeit und Kosten. Wenn überhaupt wurde zum Schluss die Frage gestellt, in welcher Weise Frauen und Männer unterschiedlich betroffen sein könnten. Der fertige Zopf bekam also am Ende noch eine kleine Schleife. Gender Mainstreaming dagegen bedeutet, dass die Frage der Geschlechterverhältnisse ein wesentlicher Strang im Zopf ist. Alle Entscheidungen sind also von Anfang an durch GM geprüft."

Anders gesagt: GM ist Teil von Qualitätsentwicklung
                           Grundlage von Ziel- und Leistungsvereinbarungen im Rahmen von Budgetierung;
                           Teil von Controlling,
                                    Teil von Gesetzes-, Entscheidungsfolgenabschätzung.

GM-Anwendungsprojekte sind sinnvoll und wirkungsvoll, um Gender-Kompetenz im Sinne von Handlungskompetenz zu entwickeln, und Veränderung von Planungs- und Entscheidungsprozessen modellhaft zu erproben. Durch ihren Bezug zur jeweiligen Fachaufgabe erhöhen sie zudem die Akzeptanz und die Motivation für GM.

 

Im Workshop haben wir Rahmenbedingungen und Qualitätsstandards für die erfolgreiche Umsetzung von GM-Anwendungsprojekten diskutiert:

 

1. Sichtbarer Umsetzungswille, insbesondere der politischen Spitzen:
     Führungskräfte müssen aktive Steuerungsrolle übernehmen: bei der Themenauswahl,
    bei der Initiierung, bei der Ressourcenbereitstellung, bei der Zielbestimmung,
     hinsichtlich Motivation/Anerkennung, Vorbildrolle bei Berücksichtigung von GM in
      Entscheidungen.

2. Anwendungsprojekte müssen Teil einer Gesamtstrategie der Verwaltung sein,
    die ressortübergreifend gesteuert werden muss;
    Erfolgreiche Verwaltungsmodernisierung muss als Organisationsentwicklungsprozess
    gestaltet sein.

3. Aufgaben/Themenauswahl für Anwendungsprojekte: politisch wichtige/anerkannte
    Vorhaben, die ohnehin umzusetzen sind und die eine dauerhafte Verankerung von GM
     zulassen und Übertragung auf Handlungsfelder ermöglichen (z. B. Budgetierung)

  • Dieser Transfer in die „normale" Praxis muss von vornherein geplant sein.

4. Beachtung von Prozessphasen/professionelle Prozesssteuerung:
    Analyse der Ausgangssituation ® Zieldefinition ® Planung der Maßnahme ®
    Entscheidungsfolgeabschätzung ® Umsetzung ® Evaluation

5. Flexible Gestaltung von Steuerungs- und Kontrollformen, Schaffung von
    Sanktionsmöglichkeiten

6. Sicherstellung, dass Prozessbeteiligte ausreichend motiviert und ausgebildet werden in
    Gender-Kompetenz und während des Umsetzungsprozesses unterstützt
     werden/beraterisch begleitet werden.

  • eine externe Begleitung durch Gender- und ProzessexpertInnen wird daher dringend empfohlen,

  • auch um Vernetzung unterschiedlicher Kompetenzen, also fachpolitisch und gleichstellungspolitischer AkteurInnen zu fördern

7. Integration von Gender-Bausteinen in alle Aus- und Fortbildung; insbesondere im
   Rahmen der Vorbereitung von Führungskräften

8. Immer noch notwendig:

  • breite Aufklärung zum Gender Mainstreaming-Konzept

  • ausreichende geschlechterdifferenzierte Daten in allen Fachgebieten sowie Forschung zu Ursachen von Unterschieden

  • Wissensmanagement: In vielen Fachgebieten gibt es bereits Gender-Wissen, welches aber noch nicht erschlossen ist. GM braucht daher ein Wissens- und Informationsmanagement.

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Workshop 4: Gehen oder Bleiben - Gemeinsamkeiten und Unterschiede
im Wanderungsverhalten von Frauen und Männern

 

Prof. Dr. Christiane Dienel, Lehrgebiet Europäische Politik und Gesellschaft
Hochschule Magdeburg-Stendal

Dr. Uwe Markus konnte leider aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen

 

Einführung

                

Migration und Migrationserfahrung waren und sind eng mit der Geschlechtszugehörigkeit verbunden. In vielen Gesellschaften unterlag die Mobilität von Frauen engen Beschränkungen und Vorschriften. Grenzen des Standes, der Konventionen und projizierter Weiblichkeitsvorstellungen verhinderten die körperliche und geistige Selbstbehauptung, das In-die-Hand-Nehmen des eigenen Lebens und die freie Entscheidung über den eigenen Wohn- und Arbeitsort. Wollten Frauen das enge Gehäuse von Haus, Stand und Konvention verlassen, mussten sie Grenzen überschreiten. Dies gelang immer nur einer kleinen Minderheit.

Um so überraschender ist es, dass heute in Sachsen-Anhalt deutlich mehr Frauen als Männer abwandern, auf der Suche nach Arbeit oder besseren Lebensbedingungen oder nach einem Partner. Allgemein bekannt und empirisch für ganz Ostdeutschland nachweisbar ist der deutliche Frauenüberhang der Westwanderer. Insgesamt wanderten aus Ostdeutschland im Zeitraum 1991 bis 1999 per Saldo rund 326.500 Frauen nach Westen. Bei den Frauen blieb der Wanderungssaldo durchgehend negativ und wird seit etwa vier Jahren vor allem durch die besonders wanderungsaktiven 18- bis unter-25-Jährigen verursacht, zunehmend auch durch die 25- bis unter 30-Jährigen. Dabei haben insbesondere bei den 18- bis unter 25-Jährigen stets mehr Frauen als Männer die neuen Länder verlassen. Sachsen-Anhalt ist in Bezug auf die Abwanderung nach Westen innerhalb Ostdeutschlands Spitzenreiter mit rund 7,4% Bevölkerungsverlust seit 1991.

 

Was im Workshop passieren soll

Im Workshop werden wir zum einen auf die Geschichte der Migration von Frauen schauen und zum anderen auf die aktuellen Ergebnisse des Gender Reports über Abwanderung, um gemeinsam zu diskutieren, wie Sachsen-Anhalt zu einem Land werden kann, in dem junge Frauen ihre Zukunft gestalten möchten.

 

 

Auf den Punkt gebracht

              

 

Die Westwanderung von Frauen aus dem Osten Deutschlands hat eine lange Tradition. So auch war im einleitenden Vortrag von Prof. Dr. Christiane Dienel zu hören, dass sich diese Westwanderung von Frauen seit dem zweiten Weltkrieg in Etappen vollzog. Dieses Verhalten von Frauen ist mit einer traditionellen Geschlechterrollenverteilung zu begründen: Frauen folg(t)en ihren Männern.

Die Untersuchung der gegenwärtigen Wanderungsbewegung von EinwohnerInnen Sachsen-Anhalts zeigt, dass mehr junge Frauen als Männer in benachbarte Bundesländer abwandern. Als Ursachen werden vor allem Demotivierungsprozesse und der stark geschlechtsspezifisch segregierte Hierarchisierung des Arbeitsmarktes benannt. Diese Entwicklung kann auch dahingehend positiv bewertet werden, da Frauen auf Grund negativer Rahmenbedingungen mobil werden und aus eigener Motivation mit diesem Wanderungsverhalten auch klassische, traditionelle Frauenrollen überwinden.

Trotzdem ist die demoskopische Entwicklung (nicht nur) in Sachsen-Anhalt aufgrund der Abwanderung junger Menschen besorgniserregend. Es besteht die Gefahr, das diese Region zukünftig als „Rentnerland" oder „Freizeitland" identifiziert und stigmatisiert wird. Deshalb waren sich alle TeilnehmerInnen dieses Workshops einig, dass dem Trend der verstärkten Abwanderung von Frauen entgegengewirkt werden muß. Da die Bindung an die Region durch Herkunft schwächer wird, ist eine Verbundenheit durch soziale Kontakte und die Chance zur persönlichen Selbstverwirklichung nicht zuletzt im Erwerbsleben durch diverse Maßnahmen zu fördern. Geschlechtergerechte und somit auch frauenfreundliche Bildungs- und Hochschulpolitik sowie Frauenförderung auf kommunaler Ebene können dazu beitragen, dass Frauen Bedürfnisse in diesen Handlungsfeldern deutlicher artikulieren und wahrnehmen können. Aber auch eine geschlechtsspezifische Ausrichtung von Initiativen und Veränderungen auf dem Gebiet der Arbeitsmarktpolitik sind zu den wichtigsten erforderlichen Maßnahmen zur attraktiveren Gestaltung der Region für Frauen zu zählen. Weitere Standortfaktoren wie die Bereitstellung an den Arbeitszeiten von Eltern orientierten Kinderbetreuungseinrichtungen, Existenzgründungsunterstützung, die Förderung von Wohneigentum und die frauenfreundliche Entwicklung des Nahverkehrsnetzes und Großraumverkehrsverbindungen gehören in einen Maßnahmenkatalog zur Bindung.

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Workshop 5: Was bringt Gender Mainstreaming in den Strukturfonds
der EU?

Dr. Vera Jauk, Abteilungsleiterin  Frauensektion im  Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen, Wien

Einführung

              

 

Ziele und Inhalte

Anhand der konkret vorgestellten Projekte sollen die TeilnehmerInnen praxis- und erfahrungsorientiert grundlegende Fragestellungen erarbeiten, Probleme bei der Umsetzung von Chancengleichheitszielen in der Praxis aufzeigen und analysieren sowie mögliche weiterführende Handlungsansätze und Umsetzungsstrategien entwickeln.

Mögliche Themenstellungen:

- Festlegung qualitativer und quantitativer Chancengleichheitsziele

- Instrumente zur Messung der Zielerreichung

- Sinnhaftigkeit von Strafmaßnahmen bei der Nichterreichung von
   Chancengleichheitszielen

- Gender Budgeting

- Stärkung des Gender Wissens der AkteurInnen und Institutionen

Input

Die Vortragsfolien können Sie hier im PDF-Format nachlesen.

 

Auf den Punkt gebracht

              

  • Im ESF hat Gender Mainstreaming bereits in der Programmplanung und in zahlreichen Projekten Fuß gefasst. Auszudehnen wären diese Initiativen auch auf die anderen Fonds, v.a. den EFRE und den EAGFL

  • In allen Bereichen gibt es Schwierigkeiten, die in den Programmplanungsdokumenten verankerten Chancengleichheitsvorgaben in den Anträgen umzusetzen. Hier bedarf es noch konkreter Leitfäden und Anleitungen für die Umsetzung von GM in Projekten

  • In diesem Zusammenhang bedarf es der Stärkung des Gender Wissens der AkteurInnen, v.a. der Projektträger. Der Stärkung des Gender Wissens kommt auch im Zusammenhang mit dem Umstand Bedeutung zu, dass nach wie vor die Abgrenzung zwischen Frauenförderprojekten und GM Projekten nicht immer klar vorgenommen wird

  • Abklärungsbedarf besteht hinsichtlich der Frage, was geschehen soll, wenn ein Projekt Gender Indikatoren nicht entspricht (Zurückstellung, Verbesserung, ...)

  • Für Gender Trainings bedarf es der Festlegung von Qualitätsstandards. Inhalte der Trainings wären ebenso festzulegen wie eine Mindestdauer, die für einen sinnvollen Implementierungsprozess nötig ist

  • Was die Verankerung von GM in den Institutionen betrifft, ist die Frage der handelnden AkteurInnen nach wie vor nicht wirklich gelöst. Einstimmigkeit herrschte darüber, dass die handelnden Personen nicht nur die bereits bestellten Frauenbeauftragten sein sollen, sondern der Kreis der AkteurInnen eine Erweiterung erfahren soll

  • Was die ausgeschütteten Mittel anbelangt, wären Kontrollinstrumente nötig, um zu messen wohin diese Mittel tatsächlich fließen und um sicherzustellen, dass die Mittel tatsächlich den Frauen zugute kommen (dies vor allem auch im Hinblick auf die Halbzeitbewertung)

  • Bei Nichteinhaltung der Chancengleichheitsziele sollte eine Mittelkürzung durch die EU erfolgen (gleichzeitig wurden auch Bedenken geäußert, dass dies tatsächlich der Fall sein wird)

  • In den zuständigen Behörden und Ausschüssen sollten zu 50% Frauen und zu 50% Männer vertreten sein

  • Ansätze zur Implementierung von GM in Unternehmen sollten verstärkt unternommen werden (Berücksichtigung von Diversity-Programmen, Aufzeigen des Mehrwertes für Unternehmen), in diesem Zusammenhang sollten auch die Möglichkeiten der Frauenförderung im Rahmen des Vergabewesens neu angedacht werden.

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Workshop 6: Schule als geschlechtsneutrale Zone?

 

Marlies Hase, Schulleiterin der Astrid-Lindgren-Grundschule, Zerbst
 mehrfach ausgezeichnet mit dem „Landespreis zur Förderung der Chancengleichheit von Mädchen und Jungen in Schulen des Landes Sachsen-Anhalt".

Bettina Willhelm, Frauenbeauftragte der Stadt Ludwigsburg,
Koordinatorin des Projekts „Respekt - Aktion gewaltfreie Schulen"

 

Einführung

                     

 

Die Demokratisierung der Geschlechterverhältnisse ist das Ziel – Schule kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten.

Wenn übernommene Muster von „typisch Mädchen-typisch Junge" als Denkbremse, als Verhaltensgrundsatz, als Veränderungssperre wirken, dann ergeben sich oft Spannungen – für das Lehrpersonal ebenso wie für die Kinder.

Trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse werden aber selten geschlechtsbezogene Erklärungsmuster herangezogen und noch weniger wird geschlechtsbezogene Pädagogik praktiziert.

Kinder sollen Fürsorge füreinander übernehmen können. Mädchen sollen Lerninhalte finden und Lernwege beschreiten, die ihnen entgegenkommen, die sie stärken und ermutigen. Jungen sollen empfindsamer (nicht wehleidiger) die eigenen Grenzen und die anderer Kinder erkennen und wahrnehmen.

Effektive Gewaltprävention muss sich mit herrschenden Geschlechterrollenbilder kritisch auseinander setzen.

 

Was im Workshop passieren soll

Am Beispiel zweier – in Ihrem Ansatz sehr unterschiedlicher Schulprojekte, wollen wir Schritte aufzeigen und mit Ihnen weiterentwickeln, wie Mädchen und Jungen bei der Gemeinschaftserziehung gleiche Chancen erhalten.

 

Input

 

Auf den Punkt gebracht

                

Mit Anerkennung der Tatsache, dass Didaktik nicht nicht geschlechtsneutral ist, sind als Konsequenz dieses Umstandes verschiedene Veränderungen in den Strukturen und Kommunikationen in den Schulen notwendig. Ziel muss demnach die Sichtbarmachung der unterschiedlichen Lebensweisen von Schülerinnen und Schülern sein. Kurz gesagt: es muss der „doppelte Blick" Einzug in die pädagogischen und didaktischen Strategien halten.

Alle Strukturen, aber auch pädagogischen und didaktischen Handlungsfelder können bzw. müssen dabei unter der Prämisse des „doppelten Blickes" neu betrachtet und bewertet werden. Auf dem Prüfstand müssen demnach u. a. die Partizipationsmöglichkeiten am schulischen Leben für Schülerinnen und Schüler, das Angebot begehbarer Lernwege für Mädchen und Jungen oder auch gewaltpräventive Maßnahmen in den Schulen. Dies sind Beispiele für die große Bandbreite der Anwendung des „doppelten Blickes".

Jedoch verlangt die Fähigkeit zur Anwendung dieses speziellen Blickes vielfach zunächst eine Sensibilisierung aller LehrerInnen für Fragen und Themen einer geschlechtsspezifischen Pädagogik und Didaktik.

Somit kann die Strategie des „doppelten Blickes" mit Hilfe der Förderung von Einzelprojekten, einer sensiblen Steuerung von Geldern und der Schulung aller Beteiligten zu einer sensibilisierten, weil geschlechtergerechten, demokratischen Schule beitragen.

Das Thema einer geschlechtsspezifischen Pädagogik hat in letzter Konsequenz Einfluss auf das gesamte Leben in der Schule und soll das „Klima" nachhaltig prägen.

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Unser Dank gilt allen Referentinnen und Referenten, der Moderatorin und dem Moderator sowie allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Fachtagung für ihre engagierte und konstruktive Arbeit.

Ein besonderer Dank geht an das Organisationsteam, geleitet von Frau Katrin Müller, die im Hintergrund das Gelingen der Tagung sicherstellten.

Vielen Dank auch an das Team des Kongresszentrums des MInisteriums für Gesundheit und Soziales für eine angenehme "Rund-um-Betreuung".

b hier kann geschrieben werden, aber bitte nicht diese Zeichen verändern
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