Frauen sind ängstlich, Männer mutig. Diese Vorstellung gehört zu den Stereotypen, mit denen in unserer Kultur die Differenzen zwischen den Geschlechtern festgelegt werden. Die angstbesetzte Frau ist noch in der Gegenwartsliteratur ein zentrales Thema gerade auch solcher Schriftstellerinnen, die eher dafür bekannt sind, traditionelle Geschlechterdifferenzierungen zu unterlaufen. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen - neben Ingeborg Bachmanns "Todesarten"-Projekt - ausgewählte Texte aus der Literatur seit den siebziger Jahren, insbesondere von Anne Duden, Christa Wolf und Monika Maron, aber auch von Max Frisch, Christoph Geiser, Ulla Hahn, Christoph Hein, Elfriede Jelinek, Friederike Kretzen, Anna Mitgutsch, Milena Moser, Botho Strauß oder Walter Vogt. Christine Kanz untersucht, wie sich die literarische Verknüpfung von Angst und Weiblichkeit auf theoretische Angstdiskurse bezieht. Neben der Frage, ob oder inwiefern die literarischen Texte eine jeweils eigene Ästhetik der Angst entwickeln, geht sie den Gegenständen und Ursachen der literarisierten Frauenängste nach. Die interdisziplinäre, für Literaturwissenschaftler, Philosophen und Psychologen gleichermaßen erhellende Studie kontrastiert zudem geschlechtsspezifische Ängste, gibt Einblicke in die Stoff- und Motivgeschichte männlicher Ängste vor dem 'Weiblichen' und lenkt den Blick auf alternative Genderkonzepte in der Gegenwartsliteratur.
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