| Lebens-Konstruktionen im Geschlechterverhältnis | |
| ProjektleiterIn | Dausien, Bettina |
| Forschungsgebiete | |
| Projektlaufzeit | 01. Oktober 1996 - 30. September 1999 |
| Forschungsregion / -land | Deutschland |
| Bundesland | |
| Beschreibung | |
| "Das Vorhaben schließt an langjährige empirische Forschungen, insbesondere das abgeschlossene Projekt zu Biographie und Geschlecht an. Die dort erbrachten Befunde zur Geschlechtsgebundenheit von Biographien und zur biographischen Konstruktion von Geschlecht sollen vertieft und in vergleichenden Analysen biographischer Interviews aus anderen sozialen Milieus und Generationen erweitert werden. Darüber hinausgehend ist das Ziel des Vorhabens jedoch eine grundlagentheoretische Differenzierung und Weiterentwicklung bisheriger Forschungen zur Struktur biographischer Erfahrung und biographischen Lernens. Dabei stellt die Geschlechterdimension - im Unterschied zu den meisten vorliegenden Ansätzen der Biographieforschung - eine zentrale Grunddimension dar. Einfach gesagt, geht es um die Frage, wie Subjekte ihr Leben erleben und ihre Erfahrungen zu einer Biographie verarbeiten, auf deren Basis sie handeln und Entscheidungen treffen. Diese Frage kann keineswegs an die Psychologie im engeren Sinn delegiert werden, sondern betrifft alle Sozialwissenschaften, insbesondere die Erziehungswissenschaften und die Soziologie. Die Subjektperspektive gewinnt in einer »individualisierten Gesellschaft« zunehmend an Bedeutung - nicht nur für die Individuen, sondern auch für soziale Bewegungen, Institutionen und Strukturen auf der gesellschaftlichen Meso- und Makroebene. Dies gilt in besonderem Maße für das sich verändernde Geschlechterverhältnis. Das Projekt untersucht deshalb die Frage, wie Frauen und Männer ihre Erfahrungen verarbeiten und als »meine Lebensgeschichte« für sich und andere rekonstruieren. Da sie in diesem Prozeß immer zugleich ihre Identität als Frau bzw. als Mann definieren, muß die Bedeutung des sozialen Geschlechts in biographischen Konstruktionen in die Analyse einbezogen werden: Unterscheiden sich nur die Inhalte »weiblicher« und »männlicher« Lebensgeschichten oder auch die Regeln und Formen der Konstruktion selbst (vgl. hierzu Projekt S2)? Und wie kann die »Biographizität«, der kreative Prozeß der biographischen Herstellung sozialer Wirklichkeit, theoretisch gefaßt werden? Ziel des Projekts ist die empirisch fundierte Ausarbeitung einer sozialkonstruktivistischen Biographietheorie, die das Geschlechterverhältnis explizit einbezieht. Die Untersuchung basiert auf empirischen Analysen narrativer biographischer Interviews aus unterschiedlichen Samples, die im Kontext der theoretischen Differenzierung ausgewählt bzw. erhoben werden. Das leitende methodologische Konzept ist angelehnt an die Grundidee der Grounded Theory (Glaser/Strauss). In vergleichenden Fallstudien werden drei Teilfragestellungen bearbeitet: Die Geschlechtsgebundenheit biographischer Erfahrungen. Hier geht es im wesentlichen um eine Erweiterung und Absicherung der Befunde aus dem abgeschlossenen Projekt S2 durch die kontrastive Einbeziehung anderer Generationen und sozialer Mileus. Die Prozeßlogik biographischer Erfahrung. Hier werden zwei Aspekte unterschieden: (a) eine ontogenetische Perspektive, also die Fragen, wie Subjekte »lernen«, ihre Erfahrungen zu verarbeiten und zu einer biographischen Gesamtgestalt (»meine Lebensgeschichte«) zu re-konstruieren, und wie sie diese Konstruktionen im Laufe des Lebens weiter ausbauen, verändern und gegebenenfalls radikal umgestalten; und (b) eine intergenerationale Perspektive, die danach fragt, wie biographische Erfahrungen und Erfahrungsstrukturen über Generationen hinweg tradiert werden. Der biographische Konstruktionsprozeß als Praxis. Mit dieser explorativ angelegten Forschungsperspektive sollen Aspekte biographischer Lernprozesse in den Blick genommen werden, die zweifellos Teil biographischer Konstruktionen sind, aber in soziologischen Forschungen weitgehend ausgeblendet werden: emotionale, körperliche und leibliche Erfahrungsweisen. In einem ersten heuristischen Zugriff werden biographische Konstruktionen als soziale Praxis betrachtet, die in einige Aspekte zu differenzieren ist (Emotionen, Leiberfahrungen, Körperwissen, implizites Wissen u.a.). Die Studie soll anhand empirischer Analysen Methoden und begriffliche Instrumente zur Erfassung dieser Aspekte entwickeln und theoretisch der Gefahr einer kognitivistischen Engführung konstruktivistischer Modelle entgegenarbeiten. Das Projekt wird seit Oktober 1996 als Habilitationsvorhaben im Rahmen einer Wissenschaftlichen Assistentinnenstelle an der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld in Kooperation mit dem IBL durchgeführt." | |
| weitere Informationen (zum Download) | |
| Kontakt | |
| AnsprechpartnerIn | Dausien, Bettina |
| Institution | Universität Bielefeld, Fakultät für Pädagogik |
| Straße/Nr. | Postfach 100131 |
| Anschrift Zusatz | |
| PLZ / Ort | 33501 Bielefeld |
| Telefon | +49 0521 - 106 3149 |
| Telefax | +49 |
| bettina.dausien@post.uni-bielefeld.de | |
| Internet-Adresse | http://www.ibl.uni-bremen.de/research/projekte/s4.htm |
