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Forschungsprojekte zum Gender Mainstreaming

Islam und Geschlechterverhältnisse Menschenrechte, Migration und interkultureller Dialog
ProjektleiterIn Gerhard, Prof. Dr. Ute , Braig, Prof. Dr. Marianne
Forschungsgebiete
Projektlaufzeit 00. 0000 -
00. 0000
Forschungsregion / -land Deutschland
Bundesland
Beschreibung

Seit den Terrorangriffen am 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York ist in besonderer Weise bewußt geworden, wie wenig wir als europäische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Probleme entfernter Regionen verstehen, wie wenig wir wissen über den Islam und seine Welt, über die Muslima, die hier in Europa leben, und wie notwendig zugleich eine kritische Reflexion über das Bild der sog. westlichen Welt vor dem Hintergrund anderer Kulturen ist. Dies betrifft insbesondere die kontrovers diskutierten Zusammenhänge von Religion, Politik und Staat sowie das Verhältnis von Islam, Geschlechterordnung und Menschenrechten. Prozesse des Verstehens und der Verständigung sind hier jedoch nur denkbar, wenn die Bedeutung westlicher Säkularisierung nicht in einen verkürzten und damit moralisch entleerten Gegensatz zur Religion gebracht wird. Anknüpfend an bestimmten, aktualisierten Ansätzen Kritischer Theorie kann Religion heute als Grenze und Möglichkeit für den interkulturellen Dialog auf ganz neue Weise an Gewicht gewinnen. Dies um so dringlicher, wo der Islam häufig als umfassendes "soziales System" auch im Hinblick auf eine Ordnung der Geschlechter verstanden wird.

Viele Schwierigkeiten des Verstehens und der Verständigung beziehen sich auf jene Aspekte der Geschlechterverhältnisse in islamischen Ländern, die dort als Teil kultureller, islamischer Identität verstanden, aus westlicher Sicht jedoch als Verletzung von Menschenrechten kritisiert werden. Seit der Wiener Menschenrechtskonferenz von 1993 werden Frauenrechte als Menschenrechte und die in kulturellen Gewohnheiten versteckte Gewalt gegen Frauen weltweit zur Sprache gebracht. Da viele dieser Differenzen und die damit verbundenen Barrieren der Verständigung durch die weltweiten Migrationsprozesse längst Teil der europäischen und deutschen Realität geworden sind, ist ihre politische und wissenschaftliche Relevanz unbestritten. Ein grundlegendes Forschungsprojekt zu diesen Problembereichen wäre deshalb von großer Bedeutung - auch weil in der gegenwartsbezogenen Islamforschung genderorientierte Ansätze nur marginal vertreten sind. Durch die Finanzierungzusage des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst für ein entsprechendes Vorprojekt, können nun die Grundlagen für die Entwicklung und Formulierung eines Drittmittelantrages erarbeitet werden.

Die Entwicklung eines Forschungsprojektes zum Thema "Islam und Geschlechterverhältnisse. Menschenrechte, Migration und interkultureller Dialog" stützt sich zunächst auf zahlreiche Vorarbeiten (Publikationen und Ver-anstaltungen), die im Rahmen des Cornelia Goethe Centrums unter den Stichworten "Menschenrechte-Frauenrechte, internationale Frauenrechtsbewegungen, Migration und kulturelle Differenz bereits geleistet wurden. Das Profil des Forschungsvorhabens bleibt jedoch noch offen für Präzisierungen, die sich erst aus der gründlichen Erarbeitung des Forschungsstandes und der Sichtung verschiedener Ansätze des interkulturellen Dialogs ergeben.

Unter der forschungsleitenden Hypothese, dass Geschlechterpolitik in allen Gesellschaften ein zentraler Bestandteil der Staatstätigkeiten ist und dass Geschlechterkonstruktionen den Kern kultureller und nationaler Identitäten bilden, sollen die Wechselbeziehungen zwischen Staat, Religion und Geschlechterverhältnissen im islamischen Kulturkreis daraufhin untersucht werden, in welcher Weise sie die Situation von Frauen in anderen 'fremden' Ländern wie in unserer Gesellschaft bestimmen. Da sich eine öffentliche Diskussion über die Geschlechterbeziehungen immer der Gefahr aussetzt als Einmischung in das Private, das Religiöse, das Kulturelle, die Identität des Anderen begriffen bzw. denunziert zu werden, wird es darauf ankommen, gerade auch die westlichen Diskurse über Frauen im Islam von eurozentrischen und orientalistischen Vorurteilen zu befreien. Schließlich regt die Wahrnehmung und das Wissen über fremde Kulturen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen gesellschaftlichen Ver-hältnissen und den hier vorherrschenden Diskursen an. Das Forschungsvorhaben hat damit auch das Ziel, in die zur Zeit oftmals sehr pauschale und geschlechtsblinde Debatte um Terror und Islam einzugreifen, um auf der Basis wissenschaftlicher Befunde und Expertentums neue Möglichkeiten für den interkulturellen Dialog zu eröffnen, in den Frauen als Forschende und Lehrende und nicht nur als Betroffene einbezogen sind.

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Kontakt
AnsprechpartnerIn Gerhard, Prof. Dr. Ute , Braig, Prof. Dr. Marianne
Institution Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien
Straße/Nr. Robert-Mayer-Str. 5
Anschrift Zusatz Fach 107
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Telefon +49 (0)69-798-23625 / 798-23833
Telefax +49 (069)-798-22383
eMail mmoajed@t-online.de
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