Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt liegt an der Schnittstelle von sozialpsychologischer Stereotypenforschung und linguistischer Gender-Forschung. Überprüft wird erstmals für den deutschen Sprachraum die These, ob sprachliche Äußerungen einer Person stereotypgestützt verarbeitet werden, so dass durch das Geschlecht der sprechenden Person systematische Rezeptions- und Bewertungsunterschiede ausgelöst werden, auch wenn kein Verhaltensunterschied vorliegt.
Untersucht wurde die stereotypgestützte Sprachrezeption anhand eines Bewerbungsgespräch, das den Versuchspersonen in einer schriftlichen Version präsentiert wurde. Lediglich schriftlich vermitteltes sprachliches Material erlaubt es, den Einfluss des Faktors Sprechergeschlecht isoliert zu messen: In alltäglicher Kommunikation, die auditiv oder audio-visuell abläuft, werden neben dem Geschlecht zugleich andere Merkmale der Person kommuniziert, wie z.B. Alter und regionale Herkunft. Im Zentrum des Forschungsvorhabens steht die Rezeptionsstudie, für die eigens ein Messinstrument entwickelt wurde. Dieses erfasst einerseits eine sprachliche Komponente, bestehend aus situationsspezifischen (wie z.B. "Fachwortschatz der zu vergebenden Stelle benutzen") und geschlechtsstereotypen Kommunikationsmerkmalen (wie z.B. "aggressiv sprechen", "kooperatives und kompromissbereites Gesprächsverhalten haben"). Das Messinstrument enthält andererseits eine erfolgsorientierte Komponente (z.B. die Einstellungswahrscheinlichkeit). Das Versuchsdesign entsprach der matched guise-Technik, wobei dasselbe sprachliche Produkt einmal einer Frau, einmal einem Mann zugewiesen und jeweils von verschiedenen Gruppen von Versuchspersonen bewertet wird.
Die Ausgangshypothese lässt sich durch die vorliegenden Projektergebnisse weder bestätigen noch zurückweisen. So zeigen sich Einflüsse der sprachbezogenen Geschlechtsstereotype, da in den Text Geschlechterdifferenzen hineinprojiziert werden. Allerdings ist dieser Effekt durch verschiedene andere Faktoren modifiziert (Geschlecht und Herkunft der Versuchspersonen), so dass kein übergreifendes Muster feststellbar war. Die Hypothese der stereotypgestützten Sprachrezeption in ihrer gegenwärtigen Form ist demnach differenzierter zu betrachten: Einbezogen werden muss zukünftig insbesondere die Zusammensetzung der Dyade, also das Geschlecht des Gegenübers.
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